Über das Warum und wieso… und die Frage nach der Regeneration!
von Sascha Heinsohn, 31
Wie oft habe ich es schon gehört: „warum machst du so etwas, wieso tust du dir das an?“
Ja, was mache ich denn? Ich schwimme, laufe, fahre Rad und betreibe noch ein paar andere Sportarten, nur halt etwas länger und weiter als der durchschnittliche Ausdauersportler.
Jetzt, am Saisonende, wo ich bei einem heißen Tee in der warmen Stube hocke und die nächste Saison schon fast durchgeplant habe, da werde ich mal versuchen diese Fragen zu beantworten.
Meist antworte ich kurz und bündig: „Ich mache Extremsport, weil es mir Spaß bringt!”
In gewisser Weise ist Spaß auch dabei, nur wenn ich mit schmerzenden Gelenken, Blasen an den Füßen und nachts mit heftiger Müdigkeit zu kämpfen habe, kann von Spaß nicht die Rede sein.
Warum also mache ich Extremsport? Es sind verschiedene Faktoren, die mich den Sport betreiben lassen.
Auf der einen Seite ein Punkt, der in sehr wenigen Worten beschrieben ist. Ich bin ganz gut in den “Langdistanzen”, und es ist doch schön, wenn man in dem Sport den man betreibt gut ist und auch noch gewinnt! Wie gesagt, kurz und bündig.
Auf der anderen Seite finde ich es sehr interessant und immer wieder erstaunlich, was ich physisch und psychisch in der Lage bin zu leisten.
Die Ultras bringen mir ständig neue Erkenntnisse über mich, wie ich denke, wie ich lebe, wie ich “ticke”!
Zu kämpfen, wenn ich todmüde bin, meine Gelenke schmerzen, an den Füßen Blutblasen habe und trotzdem nicht aufzugeben, diese mentale Stärke finde ich faszinierend.
Wenn ich völlig fertig ins Ziel komme, auf der Strecke in der Nacht vielleicht noch vor Verzweiflung hätte heulen können, dann bin ich stolz, dass ich die mentale Stärke hatte, das alles zu überstehen.
Ultras, egal in welcher Sportart, sind harte Proben für den Geist und den Körper. Und genau dies macht den Reiz!
Weiterhin kann man auf den Ultradistanzen sehr viel und gut nachdenken. Probleme können durchdacht werden. Aber auch genau das Gegenteil tritt oft bei mir ein. Alltagsprobleme werden ausgeblendet, bei Ultradistanzen muss man auf seinen Körper hören. Ich kämpfe gegen Müdigkeit, Erschöpfung und das Wetter, dann kann ich mir es nicht erlauben, meine Gedanken allzu sehr abschweifen zu lassen. Die Gedanken befinden sich im Hier und Jetzt.
Eine dritte Form gibt es auch noch. So geschehen bei meinem diesjährigen 24 Stunden Schwimmen.
Nach einer gewissen Zeit habe ich an nichts mehr gedacht. Ich bin nur noch geschwommen, die Bahnen wurden durch Wettkampfrichter gezählt, der Körper setzte die Schwimmbewegungen ganz automatisch um und meine Gedanken, mein Geist war frei.
Irgendwie war es etwas vergleichbar mit der Meditation.
Vielleicht kann ich sagen, dass Ultras auf gewisse Art und Weise Meditationsformen sind. Soviel zu meiner Motivation Ultradistanzen zu absolvieren.
Wäre noch der Punkt mit der Regeneration zu klären.
Viele Leute sind doch sehr erstaunt, dass ich fast jedes Wochenende bei irgendwelchen Events an den Start gehe. Es kann durchaus vorkommen, dass innerhalb von z.B. vier Wochen auch drei bis vier Ultradistanzen auf meinem Programm stehen. Das ist viel und manch einer würde dies nicht verkraften, aber ich habe kein Problem damit. So konnte ich erst vor zwei Wochen bei einem 50 km Lauf Bestzeit laufen (2. Gesamtplatz), obwohl ich die Wochen zuvor drei Marathonläufe (Berg- und Trailläufe) bestritt.
Ich habe trotz einer langen und heftigen Saison keinerlei Probleme mit meinem Körper. Ich denke, dies hat mehrere Gründe. In diesem Jahr habe ich durch meinen Umzug nach Wiesbaden professionelle Trainingsbedingungen, aber vor allem bin ich viel lockerer geworden als die Jahre zuvor.
Ich setze mich nicht mehr selber so unter Erfolgsdruck, ich genieße die Rennen und so kam es 2006 zu vielen Bestzeiten und Erfolgen ( z.B. Ironmandistanz unter 9 h). Diese Lockerheit im Kopf setzt sich auch im normalen Leben fort. Ich lebe nicht übermäßig gesund, klar achte ich etwas auf die Ernährung, aber ich esse auch bei Mc D., esse gerne Süßigkeiten, trinke sehr viel Espresso und gerne auch einen guten Rotwein.
Nur mein täglicher frisch gepresster O-Saft und die Biestmilch muss sein!
Ich denke, ich lebe einfach etwas unbekümmerter, als manch anderer Ausdauerathlet, der sich sklavisch an Ernährungspläne, Herzfrequenztabellen und andere Körperdatenauswertebögen hält. Man sollte auch bei einer gewissen Trainingsunlust mal die eine oder andere Trainingseinheit ausfallen lassen und dafür ins Kino gehen.
Weiterhin denke ich, dass mir meine gute Muskulatur sehr hilfreich ist. Durch ein gewisses Maß an Krafttraining können die Gelenke entlastet werden, da die Muskeln stützen und schützen. Ich bin mit meinen 80 kg und doch recht vielen Muskeln nicht der typische ausgedörrte Ausdauerultrafreak, aber das es auch so geht, sieht man ja an mir. Daher werde ich auch in Zukunft im Kraftraum “Eisen biegen”.
Ich freue mich schon auf die Saison 2007, in der ich sehr viel vorhabe und ziemlich lange “Dinger” auf dem Programm stehen.
Biestige Grüße, Sascha
P.S. Mir fällt da noch was ein. Aus Kostengründen schlafe ich seit diesem Jahr bei bzw. vor Wettkämpfen fast ausschließlich in meinem Auto, ein Renault Scenic, auf einer Luftmatratze. Vielleicht ist ja auch dies das Geheimnis des Erfolges. Zumal mein Auto rundum mit Biestmilch-Aufklebern bedeckt ist.
Ich sage es ja immer wieder: Biestmilch hilft!